Diejenigen, die schon lange in Russland leben, kennen genau die Verhaltensweisen der russischen Banken in den verschiedensten Zeitperioden nach 1991. Ausländische Valuta, heute verächtlich als Fantikis bezeichnet, waren sehr begehrt, aber die Banken suchten immer nach Gründen, um diese zu diskreditieren.
Wenn Sie in Russland Geld umtauschen wollen, so sollten Sie immer die doppelte Menge an Bargeld mitnehmen, zumindest aber ein paar Reservescheine, denn die Banken prüfen jeden Geldschein sehr tiefgründig und werden meistens fündig und lehnen den Umtausch ab.
Früher war es so, dass man den Schein, der angeblich irgendwelche Mängel hatte, trotzdem bei der Bank umtauschen konnte, aber die Bank … oder war es der Bankmitarbeiter? … tauschte eben nicht den 50-Euro-Schein um, sondern machte daraus einen 40-Euro-Schein … Aufwandsentschädigung oder Verwaltungsgebühr … so verdienten sich die Banken oder deren Mitarbeiter schnell eine goldene Nase für den Umtausch eines angeblich beschädigten Geldscheines. Für diejenigen, die keine Erfahrung im Umgang mit russischen Banken hatten und für diejenigen, die die russische Sprache nicht verstanden – und das sind ja die meisten Touristen, die zu uns kommen, war dies immer ein teures Vergnügen. Die Meisten waren noch nicht mal böse über eine derartige Abzocke, sondern froh, dass sie überhaupt Geld umgetauscht bekamen.
Heute ist dies ein wenig anders. Niemand von den Bankmitarbeitern versucht mehr, gegen eine kleine Gebühr, Ihren angeblich beschädigten Geldschein trotzdem umzutauschen. Man ist einfach nicht mehr interessiert an westlicher Valuta und so wird der Geldschein als „beschädigt“ deklariert und sie können gehen.
Lassen Sie mich einige Erlebnisse der letzten Tage erzählen.
Vor ein paar Tagen kam ein Nachbar zu mir und fragte, wann ich das nächste Mal nach Deutschland fahre. Er habe einen 500-Euro-Schein der beschädigt ist und keine der in Kaliningrad anwesenden 38 Banken ist bereit, diesen Geldschein umzutauschen. Ich sagte ihm, dass ich nicht mehr nach Deutschland fahre, aber nach Umtauschmöglichkeiten suchen werde.
Dann schaute ich mir den Geldschein an. Er war fast neu. Keine Falte, keine Knitter, keine Risse, keine Fremdbeschriftungen … ich fand den Geldschein vollständig in Ordnung.
Wenig später traf ich einen Deutschen in Kaliningrad. Dieser erzählte mir, dass er Geld umtauschen wollte, aber die Banken nicht umtauschen wollen. Der Geldschein ist beschädigt. Er sah mich hilfesuchend an und ich schaute mir seinen 100-Euro-Geldschein an. Auch hier fand ich keinerlei Beschädigungen.
Ähnliche Geschichten erfuhr ich, als ich mich vor einigen Tagen mit einer größeren Gruppe deutscher Touristen traf. Auch hier hatten einige Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht und waren etwas ratlos. Sie brauchten Rubel, um irgendwelche Kleinigkeiten zu bezahlen, bekamen aber das Geld nicht umgetauscht. Die West-Geldkarte funktioniert auch nicht im sanktionierten Osten … wie sagt man in Deutschland etwas grob und ungehobelt: „Da war die „Fäkalie“ ganz schön am dampfen“.
Nun habe ich eine Bekannte, die in einer Bank arbeitet. Ab und zu trinken wir mal einen Tee miteinander. Ich fragte sie, was denn hier los sei. Sie bestätigte mir, dass es wirklich so ist, dass man kein großes Interesse mehr an ausländischer Valuta habe. Und wenn es keinerlei offensichtliche Beschädigungen des Geldscheines gibt, dann findet man elektronische Schäden, die der Bankkunde niemals nachvollziehen kann. Jeder Geldschein wird in einem Prüfapparat durchleuchtet und wenn man dort irgendwelche Dinge feststellt, wird nicht umgetauscht. Der Bankkunde, selbst wenn er sich den Schaden anzeigen lässt, würde wohl auf den Bildschirm des Valuta-Kontrollgerätes so schauen, wie man auf ein Ultraschallfoto oder eine Röntgenaufnahme schauen würde – man würde nichts erkennen und verlässt sich auf die Einschätzung des Doktors … also in unserem Fall des Bankmitarbeiters.
Und nun erinnere ich mich daran, dass es jetzt viele Deutsche gibt, die nach Kaliningrad reisen, um hier Bankkonten anzulegen. Ich habe bereits viel darüber geschrieben, was ich von dieser Tendenz halte und muss dies hier nicht nochmal wiederholen.
Diese Deutschen müssen das Geld, was sie hier auf das Konto einzahlen wollen, physisch mitbringen. Aber die Ausfuhr von Valuta der Europäischen Union, also Euro, Forint, dänische Krone, Zloty ist im Rahmen der Sanktionsgesetzgebung verboten. Es kommt immer auf die jeweilige Laune des Zöllners an, welche Summe er bei einer möglichen Kontrolle noch als „Reisebedarf“ einstuft: fünf Euro, fünfzig Euro, fünfhundert Euro? Wir wissen es nicht.
Aber der Deutsche, der ein Bankkonto in Kaliningrad anlegen will, ignoriert entweder diese Sanktionsgesetze und setzt sich der Gefahr aus, dass das Geld beschlagnahmt wird oder aber er kennt die Sanktionsgesetze gar nicht und erlebt möglicherweise eine böse Überraschung an der Grenze.
Und nun gehen wir einfach davon aus, dass er Glück hat. Er wird nicht kontrolliert und bringt das Geld nach Kaliningrad. Er richtet ein Euro-Konto bei einer Bank seines Vertrauens ein, aber der Bankmitarbeiter lehnt das Geld ab. Es hat elektronische Schäden. Dann geht es zur nächsten Bank … und zur nächsten Bank … und … naja, usw.
Ein Umtausch in Rubel, um ein Rubelkonto einzurichten, ist natürlich auch nicht möglich. Das Geld hat elektronische Schäden.
Man kann das Risiko minimieren, in dem man ausreichend Reservescheine mitnimmt. Das erhöht aber das Risiko der Beschlagnahme an der Außengrenze der Europäischen Union.
Und ich stelle mir nun vor, dass es dem Deutschen nirgendwo gelingt, seine Euro auf ein russisches Bankkonto zu legen oder in Rubel umzutauschen. Dann muss er es wieder mit nach Hause nehmen. Aber auch für diesen Fall gelten Sanktionsgesetze, denn die Einfuhr von Valuta der Mitgliedsländer der Europäischen Union in die Europäische Union aus Russland ist ebenfalls verboten. Wir haben also das Risiko des Totalverlustes bei der Einreise und auch bei der Ausreise.
Ich kenne mich und meine schwachen Nerven. Für mich wäre das nichts, ich würde ein solches Risiko nicht eingehen. Ich bin auch niemals seit dem Beginn dieser Sanktionen mit nennenswerten Geldsummen gereist. Fünf Zehn-Euro-Scheine und zehn Fünf-Euro-Scheine, insgesamt hundert Euro hatte ich bei mir für Kleinstzahlungen (Busfahrschein, Bockwurst mit Brötchen und Klobesuch). Ich wurde auch bisher niemals kontrolliert. Aber ich bin mir sicher, dass, wenn ich tausend oder mehr Euro mitführen würde, unter Garantie eine Kontrolle stattfindet – mir steht es auf der Stirn geschrieben …
Diese Kleinigkeit aus dem täglichen Sanktionsleben wollte ich Ihnen mitteilen, wissend, dass es nicht wenige meiner mehr oder weniger wohlgesonnenen Leser und Zuschauer gibt, die meine Überlegungen als krankhafte Phantasien abtun und meinen, ich male bewusst schwarz, damit die von mir ungeliebten Deutschen nicht mehr ins Land kommen, um hier Konten anzulegen. Wissen Sie … mir ist es völlig egal, was Sie von mir und meiner Meinung und meinen Erfahrungen denken. Ich teile Ihnen dies alles kostenlos mit. Und Sie müssen selber entscheiden, wieviel Geld Sie bereit sind zu riskieren.
Autor des Beitrages ist „Baltische Welle“. Vielen Dank für Ihr Interesse und Ihre Aufmerksamkeit. Tschüss und Poka aus der Blockadestadt Kaliningrad.